Ökologie der Kindheit

 

Erster Kongress „Ökologie der Kindheit“

 

Wien, Schlosspark Mauerbach, 25.Nov. 2017

Heute noch bin ich tief berührt und beeindruckt von den Inhalten, der Motivation, der Hingabe und Freude, die mir von den Vortragenden vermittelt wurden.

 

Dieser Tag ist der Auslöser, das Tüpfelchen am „I“ dafür, dass ich heute meinen Blog endlich starte – nach langem Zweifeln, ob das jemanden interessieren könnte was ich poste, ob ich auch genügend Zeit für die Betreuung desselben finde; nach diversen Fragen: „Wie soll ich ihn gestalten?“, „Was soll ich darin veröffentlichen?“, „Soll ich mich auf ein Thema konzentrieren, oder doch auf die Vielfalt die mir entspricht?“ etc.

 

Jetzt ist mir klar, dass ich das was ich zu sagen habe, was mir so alles aus diversesten Bereichen zufließt, Dinge, Inhalte, Gegebenheiten, die aufzeigen, wachrütteln, beschenken, erfreuen, nachdenklich machen, einfach nur schön sind, zum Diskutieren anregen u.v.m. in die Welt raus dürfen/sollen/müssen/können… Jetzt ist der richtige Zeitpunkt endlich da!!! Mal sehen, was noch alles daraus entsteht. :o)

 

Ich gebe nun stichwortartig wieder was an diesem Tag so beeindruckend für mich war:

 

Arno Stern - der Begründer vom „Malort“ – war der erste Vortragende. Er erzählte über seinen Werdegang und beschrieb den Malort so: „Er ist ein verträumtes Land, in dem jedes Kind für sich selbst malt, frei von Be- und Verurteilung.“ (http://www.arnostern.com/)

 

Die Blütezeit der Formulation war zwischen 1950-1980; die Kinder waren mit großer Begeisterung dabei, konnten sich schnell von den Belastungen befreien und spielten mit den Farben und Formen. In den 80er Jahren passierte dann etwas, das bis heute anhält:

 

·         Heute fragen die Kinder, wenn sie ein Blatt nehmen „Was soll ich tun?“

 

·         Sie machen sich Gedanken darüber, was sie malen sollen.

 

·         Heute ist das Malen kein Spiel mehr, die Spontaneität ist verloren gegangen.

 

·         Die Kinder sind gehemmt, können nicht mehr spielen – im Malort lernen sie es langsam wieder.

 

·         Kunst-Erziehung ist eine Katastrophe…

 

Erwin Thoma – „Die geheime Sprache der Bäume“ (https://www.thoma.at/)

 

Er führte ein Beispiel an (sehr vereinfacht in meinen Worten wiedergegeben)

 

In unserer Marktwirtschaft läuft es zumeist so ab: von sagen wir fünf gleichwertigen Unternehmen, schwächelt eines, ist davor unterzugehen, schließen zu müssen, dann werden die anderen rundherum diesen Betrieb entweder „schlucken“, oder sich darüber freuen, dass ein Konkurrent weniger am Markt ist - ihn also nicht unterstützen, wieder auf die Beine zu kommen.

 

Darauf folgte ein Vergleich, wie Bäume reagieren: ein Baum in einem Wald wird von Borkenkäfern befallen, dann senden alle Bäume im Umkreis von ca. 50-70 Metern Signale an Borkenkäferfresser aus und stellen ihr Wachstum sofort ein – ALLE helfen EINEM!!!

 

Herr Thoma plädiert für eine Kreislaufwirtschaft, um von der Wegwerfwirtschaft wegzukommen!

 

Es war so faszinierend was er alles über sein Leben, sein Lernen, die unglaubliche Weisheit der Bäume erzählte.

 

Katia Saalfrank – „Bindungs- und beziehungsorientierte Pädagogik“ (https://www.katiasaalfrank.de/)

 

·         Kindheit ohne Strafen

 

·         Wenden wir uns wütenden/aggressiven Kindern zu, anstatt sie zu bestrafen oder sie aus dem Geschehen raus zu nehmen

 

·         Bei Kindern sind die Gefühle noch nicht so reguliert wie bei uns Erwachsenen, wenn wir sie bestrafen, fühlen sie sich ausgeschlossen.

 

·         Durch Strafe und Trennung lernen die Kinder „meine Gefühle sind schlecht, ich muss sie unterdrücken“. Demütigung und Ausschluss wirken sich aus wie körperlicher Schmerz – das ist auf Dauer nicht auszuhalten.

 

·         Sehr wichtige Urbedürfnisse sind „Verbundenheit“,  „Autonomie und Selbstwirksamkeit“

 

·         Kinder gehen nur dann aus der Kooperation mit uns, wenn sie sich gekränkt oder überfordert fühlen.

 

·         Strafen sind Missbrauch

 

·         Wahren wir die Grenzen der Kinder

 

·         In den Dialog mit den Kindern treten – „Du bist wütend UND wir wollen, dass du bei uns dabei bist. Was brauchst du?“ Sie plädiert dafür das Wort ABER zu streichen und Sätze mit UND zu formulieren – z.B. „Es tut mir leid, und…“ „Ich verstehe, dass du traurig bist, und…“

 

André Stern

 

Dass alles miteinander verbunden ist, wird mehr und mehr von der Wissenschaft bewiesen; das fordert zu einer neuen Sicht auf die Kindheit auf.

 

Früher waren die Erwachsenen, so wie er es ausdrückte, die PLUS-Version und die Kinder die NULL-Version – der Erwachsene blickte auf die Kinder hinab, hielt sich für etwas Besseres, glaubte, das Kind erziehen zu müssen – nach seinen Vorstellungen.

 

Heute weiß man, dass Kinder mit allen Potenzialen auf die Welt kommen. Die Hüter unserer Potenziale sind die Kinder!!!

 

Er forderte uns auf, an unsere Kindheit zu denken – daran, dass wir Erwachsenen alle auch noch ein verletztes Kind in uns tragen. Man blickte auf uns herab und sagte z.B. „Musikalisch bist du ja nicht gerade, also lass es einfach.“ „Wenn du jetzt nicht brav bist, darfst du nicht…“ „Du bist zu ungeschickt, lass mich das machen.“ Und viel Schlimmeres mehr…

 

Erwachsene neigen dazu, die Kinder so gestalten zu wollen wie sie sie sehen. Den Blick, der damals auf uns als Kind geworfen wurde, übertragen wir jetzt auf unsere Kinder. Die Kinder sind so sehr damit beschäftigt dem zu entsprechen, dass sie keine Zeit mehr haben einfach nur zu SEIN!

 

Kinder sind im Spiel (wenn sie die Zeit haben, die sie benötigen) unheimlich konzentriert, ernsthaft, ausdauernd, sie wachsen über sich hinaus, sind frei und entwickeln ihre eigene Kreativität.

 

„Ich liebe dich, weil du bist wie du bist!“

 

„Ich vertraue darauf, dass die Kinder im Spiel alles lernen können.“

 

Kinder lieben es zu musizieren – kommt die Disziplin, verschwindet die Musik.

 

Lassen wir unsere Kinder wieder Begeisterung empfinden. Erkennen wir wieder, dass selbsterwählte Anstrengung mit erzwungener Anstrengung nicht im Einklang sein kann…

 

Wir wollen, dass unsere Kinder glückliche Erwachsene werden – wir sind ihre Vorbilder. Kinder sind Meister in so vielen Dingen, so auch in der Offenheit des Herzens, in Toleranz, Verzeihen, Urvertrauen u.v.m.

 

Aus dem Publikum kam dann die Frage zur „virtuellen Welt“, Computerspielen etc. Es wird uns verkauft, dass diese Welt unheimlich schlecht für unsere Kinder ist; die Kinder tauchen so gerne darin ein und wollen nicht mehr zurückkommen; macht es Sinn Kindern z.B. ein Handy zu verbieten?

 

André Stern brachte dazu ein Beispiel:

 

Ein Kind lebt z.B. in zwei Welten – in der Schule und zu Hause. Dieses Kind hat jetzt den Wunsch ein Held zu sein/zu werden – das lässt einmal unser Schulsystem nicht zu, und zu Hause ist das auch unmöglich, weil das Kind nicht SEIN darf, sondern so werden soll, wie wir es wollen. Jedoch in der virtuellen Welt kann das Kind ein Held sein – ein Computer wertet nicht, straft nicht, schimpft nicht etc.

 

Abschließend meinte André Stern:

 

Gefährlich ist die Welt, in die wir unsere Kinder schicken. Wir Erwachsenen sind es, die den Kindern nicht ermöglichen Helden zu werden.

 

Unsere reale Welt sollten wir so genial gestalten, dass Kinder gerne in ihr leben wollen und auch noch Helden sein können! ;o)

 

Auf der Website www.oekologiederkindheit.com ist einiges nachzulesen – wen es interessiert!

 

 

 

 

 

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